Aus der Praxis geboren

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Artikel von Jo Seuss, Nürnberger Nachrichten, 2005

Noch immer steht Deutschland weit oben in der Weltrangliste der Erfindungen: Rund 13970 Patente bedeuteten im vergangenen Jahr Rang 3 hinter USA (39270) und Japan (16 720). Doch nicht nur große Entwicklungsabteilungen, sondern auch Einzelgänger und Mini-Firmen suchen nach neuen Wegen, Produkten und Ideen, die sich verkaufen lassen.

Nach Hightech sieht die Werkstatt des Hinterhofs im Nürnberger Westen nicht gerade aus. Ringsum stehen Holzregale, gefüllt mit, Kisten, in denen elektronisches Kleinzeug lagert, dazwischen macht sich eine Werkbank breit, hinter der man nichts Weltbewegendes vermuten würde. Doch wenn Rolf Arnold seinen Lichtschalter – erklärt, dann merkt man, dass hinter der Arbeitsplatte ein heimliches Labor steckt. Paar Leitungen hier, paar Schaltwege dort, dank derer der Elektromeister Probleme simulieren und experimentieren kann.

Ohne Mikrochips und Elektronenmikroskop allerdings. Das Credo des gemütlich wirkenden Elektrikers lautet: „Für ein praktisches Problem eine einfache Lösung finden.“ Und deshalb ist aus dem Mann, der ,sich als klassischen Elektroinstallateur bezeichnet, eher nebenbei ein Erfinder geworden. Er stand nämlich zwei, drei Mal bei Installationsarbeiten vor dem gleichen Problem:

Bewegungsmelder und Leuchte, sollten mehr können, als bei Bewegung zu reagieren. Die auf Hausherrn wollten in ihrem Garten eine,Lampe, die viererlei kann: auf Dauer an oder aus sein, auf Bewegung reagieren und nur kurze Zeit brennen. Dies sollte bequem funktionieren – am besten mit einem Schalter“ den es aber nicht gab. Also stürzte er sich „150prozentig“ in die Aufgabe.

So 2000/2001 begann in seinem Kopf die Idee für ein eigenes Konzept zu reifen. Nur ein Drehschalter kam in Frage, „weil er gut ablesbar und handhabbar ist. Nachdem der Pilotversuch im Privathaushalt funktionierte, wurde Arnold bewusst, dass er eine Marktnische gefunden hatte, die nach Vermarktung rief.

Mit Kompagnon Lutz Kaiser machte er sich daran, die Idee publik zu machen. Ein Preis bei der „Innovationstour – 2003“ der Zeitschrift Elektro-Praktiker sprang heraus. Wichtig war für ihn die positive Resonanz bei den im Elektrogroßhandel und „die großen Ohren der Schalter-Hersteller“ bei den Messen. Seit Oktober 2003 ist der „Arnold-Außenlichtschalter für Lampen mit Bewegungsmelder“ am Markt – im Aussehen Passend zu vielen gängigen Schalterprogrammen.

Seit 2004 ist das Patent erteilt. Perspektiven sind gut. Sie könnten noch besser werden: Er war als einer von zwei mittelfränkischen Handwerkern, die für den Bayerischen Innovationspreis nominiert und gewann mit seiner Erfindung den Einstein-Erfinderpreis der Fachmesse „Chance“. Der MDR präsentierte die Erfindung in der Sendung „Einfach Genial“. Rolf Arnold hat keinen geraden Lebensweg hinter sich. Nach der Lehre als Fernmeldinstallateur bei der Bahn wurde er Erzieher, ging zurück zum Handwerk und absolvierte eine Elektrikerlehre. Bei alternativen Betrieben habe er „viel gelernt“, doch „wegen der Freiheit“ entschied er sich 1994/95 zum Besuch der Meisterschule.

Seit 1996 ist er selbstständig tätig, was in heutigen Zeiten kein leichtes Brot sei. Doch die aus Erzieherzeiten erlernte Fähigkeit, „gut zuhören zu können“, helfe ihm gerade bei der Sanierung alter Häuser, so manche kniffelige Aufgaben zu lösen. Und vielleicht kommen noch mehr Erfindungen; Notizen macht er sich jetzt häufiger. Schließlich könne so eine Erfindung auch ein Stück Rentenversicherung sein. Sagt’s und grinst etwas verlegen.

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